Let’s not just talk about Sex

Ein typischer Samstagmorgen, je nachdem wie ein typischer Samstagmorgen so aussieht, aber für mich war er das. Aufstehen, Kaffee kochen – okay, vorher irgendwie aus dem Bett quälen, weil ich in diesen schrecklichen kleinen Doppelstockbetten in diesem Sharingroom einfach noch keine einzige Nacht richtig gut geschlafen habe – und dann ein ordentlicher Kaffee.
Die Sache mit dem Kaffee gilt übrigens für jeden Morgen, denn ohne den funktioniert mein Körper nicht. First things First! Je nach Laune und Kräften schaffe ich es entweder mir eine Kokos-Joghurt-Bowl mit Früchten und irgendwelchen healthy Samen zu machen – und was man da noch so alles reinschmeißen kann und meint es sei gesund – oder eine Schüssel Müsli, natürlich nur mit „gutem“ Getreide und dem Crunchy-Zeug, das da drin ist und nicht zu vergessen, ganz wichtig, Kokos-, Hafer- oder Reismilch. An diesem besagten Samstag hat die Kraft übrigens nicht gereicht und es ist bei einer zunächst entspannten Tasse auf der Terrasse geblieben…

Immer diese Anrufe

Halb auf dem Stuhl liegend und nichts ahnend, fängt mein Handy an mich mit merkwürdigen Nachrichten zu bombardieren. Satzfetzen und sinnfreie Smileys – so wie ich sie normalerweise versende – sowie mehrere kurze Sprachnachrichten, die ganz stark vermuten lassen, dass die Person auf der anderen Seite ordentlich einen im Tee hat. Das hoffe ich zumindest, sonst kommen nur noch psychische Störungen in Frage oder ein Hund. Warum ein Hund, keine Ahnung, aber ein Hund wäre irgendwie lustig. Ich frage in leichter Schlaftrance und Verwirrung, was los ist. Anscheinend versucht sich mein Freund auf der anderen Seite zusammenzureißen und es gelingt ihm sogar einen grammatikalisch korrekten Satz zu schreiben – mehr oder weniger zumindest. Inhaltlich klang er ungefähr so: „Nadja ist bei mir, sie hat erzählt, sie befindet sich gerade in einer schwierigen Phase und braucht Ablenkung!“ Okay. Verstanden. Nur doof, dass ich zu diesem Zeitpunkt ungefähr 16.000 km entfernt war und erst wieder in einem Monat zurück bin. Aber okay. Danke Kumpel, dass du an mich denkst! Das Handy steht nicht still. Jetzt ruft der Verrückte auch noch an. Na gut, Samstagfrüh, ich hab eh nix zu tun, hören wir doch mal, was die zwei Betrunkenen so zu sagen haben.

Laute Musik aus dem Hintergrund macht das Verstehen eigentlich nicht möglich und auf meinem Display sehe ich auch nur die Umrisse zweier schwarzer Gestalten, die genau so gut zwei Pappfiguren hätten sein können! Sinnvolles kommt bei diesem Videocall nicht rum, bis auf die Tatsache, dass die junge Dame anscheinend wirklich jemanden braucht, der sie „hart durchnimmt“! Okay, dachte ich mir in meiner morgigen Nüchternheit, ich wusste bis dato nicht, dass sie auch in meiner City wohnt. Die Sache beginnt interessant für mich zu werden. Was vorher nur ein doofer Betrunkenheits-Call mit sinnfreien Gelaber und schlechten Anspielungen war – schlechter als ich sie mache, entwickelte sich immer mehr zu einer Story, die mehr und mehr mein Interesse weckte.

Was braucht Sie?

So, jetzt nochmal nachgefragt: Sie ist also aus meiner Stadt und genau wie ich in ein paar Wochen wieder zurück. Sie ist unglücklich mit ihrem Typen und braucht dringend Sex – so wie ich. Wenn da noch einer sagt, er glaubt nicht an Zufälle. Ich halte es bis dato jedoch nicht wirklich für eine ernstgemeinte Angelegenheit! Ich meine hallo, die zwei sind so straff und voll wie die Dirndl auf dem Oktoberfest. Aber na gut, lustig ist es ja. Das ist mal eine Wingmen-Aktion, denke ich mir! Markus schickt mir die Nummer – okay na gut, eine Nummer ist eine Nummer. Haben oder nicht haben. Dann schreiben wir doch einfach mal. Keine Antwort. Na dann war es doch wohl einfach zu viel Alkohol und schlechte Musik.

Zwei Tage später, wenn Leute betrunken sind, sagen sie wohl eher die Wahrheit, zumindest antwortet mir Nadja. Es ist aber eher die nette höffliche Variante, nicht die „lass uns zum Sex treffen“ Variante. Dieser Tenor zieht sich leider auch das ganze Gespräch über durch. Hmm denke ich mir, war wohl nichts mit dem „kleinen geilen Luder“, von dem wir Männer so träumen. Soll ich vielleicht einfach mal anfangen, offensiv zu sein? Warum nicht. Was haben wir schon zu verlieren. Und ab geht sie die wilde Fahrt! Und auf einmal wird das schüchterne Ding auf der anderen Seite munter und gesprächig! Wir sind im Game – zumindest in dem Dirty-Talk, den wir Männer so lieben und der uns in unsere kleine perverse Fantasiewelt versetzt! Jetzt kann ich es gar nicht mehr abwarten, sie zu treffen!

Irgendwie merkwürdig

Es geht hin und her, die Tage werden kürzer und die Freude größer. Aber irgendetwas Komisches schwingt schon mit. Ich meine, dass ist ja sozusagen ein arrangiertes Sextreffen! Und das von einem meiner besten Freunde. Sehr komisch, aber ist es am Ende nicht wie alles andere? Nehmen wir Tinder, Lovoo oder andere Dating-Apps. Hier verabredet man sich ja auch zum , na ja, offen gestanden nicht direkt zum Sex, aber am Ende ist es das, worauf es hinausläuft! Es gibt auch Seiten, nicht, dass wir uns da auskennen, aber auf diesen macht man nichts anderes, als sich zum Sex zu verabreden. Oder denkt doch mal an Swinger Clubs oder Sex Partys, da geht es ja nur um das Eine! Also soll ich jetzt Gewissensbisse haben oder es mir merkwürdig vorkommen? Theoretisch gibt es keinen Grund oder?! Ein bisschen merkwürdig ist es schon. Aber sind wir mal ehrlich, es ist auch nicht so, dass wir so etwas noch nie gemacht haben, dann eben über Tinder und Co. Nur dass die besten Freunde einen nicht kennen beziehungsweise die andere Person. Also Go for it. Ob es merkwürdig wird, wir sollten es herausfinden.

In meinem Kopf spiele ich die verschiedensten Szenarien durch, soll ich sie direkt, wenn sie den ersten Schritt durch die Tür macht, an das Bett fesseln und mit ihr schlafen. Oder erstmal nur rumknutschen und ein bisschen touchy werden? Ich weiß es nicht. Es kommt ja auch immer auf die Situation an! Wir machen einfach, was wir immer machen. Erst mal eine Runde kochen, denn das ist ungezwungen, man tut etwas gemeinsam, kann sich dabei gut unterhalten und dann muss man eben gucken, wie die Vibes sind. Stellt euch mal vor, man mag den anderen nicht oder findet sie/ihn oder irgendetwas an ihr/ihm dann doch so unattraktiv, dass man sich fragt: „Fuck, was mach ich jetzt. Bitte geh!“ Okay, bei Männern muss schon einiges passieren, um das zu sagen. Wir sind da halt einfach auf unseren Spaß fixiert und machen auch mal eine Ausnahme. Na gut, ich bin ehrlich, sogar sehr oft machen wir eine Ausnahme!

Tag der Wahrheit. Machen wir es kurz. Es war tatsächlich sehr merkwürdig am Anfang, aber ich denke, das lag an dem „Sextreffen“ an sich. Welche Verabredung zum Sex ist nicht am Anfang seltsam. Uns würde keine einfallen!

Am Ende war es wie immer. Es kommt zum Schluss eh immer auf die Charaktere an, die sich dort zu diesem kuriosen Spiel verabreden. Obwohl es doch die normalste Sache der Welt ist. Also für mehr gute Freunde und einfach Sex haben!

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